Clickertraining lernen: Im Interview mit Sandra Pedretti

Teilen auf 02.08.2019
Mit dem Clickertraining kann Deine Katze nicht nur nette Kunststücke lernen, sondern auch nützliche Verhaltensweisen für den Alltag (z.B. freiwillig in ihre Transportbox einzusteigen). Zudem wird durch die gemeinsame Beschäftigung die Beziehung zwischen Dir und Deinem Vierbeiner gestärkt. 

Als Diplom-Psychologin und Katzenpsychologin liegt der Fokus von Sandra Pedretti auf einer harmonischen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Sie berät Katzenhalter zum richtigen Umgang mit ihren Samtpfoten und bei Verhaltensproblemen. Als Expertin für Clickertraining bietet sie Kurse und Vorträge an. Zusammen mit ihren gut trainierten Katzen war sie bereits zu Gast bei der TV-Sendung ‚Zeit für Tiere‘. In unserem exklusiven Interview verrät Sandra Pedretti, was während des Trainings zu beachten ist.

Welche Regeln sollten während des Trainings beachtet werden? 

Das A&O beim Clickertraining ist, dass sowohl Du als auch Deine Katze Spaß daran haben! Keinesfalls solltest Du Deine Katze zu etwas zwingen oder mit ihr schimpfen, wenn etwas nicht klappt. Das kann zu Frust und im schlechtesten Fall auch dazu führen, dass sie gar nicht mehr mitmacht. Wenn also etwas nicht auf Anhieb funktioniert, dann ruhig bleiben und überlegen, woran es liegen könnte. Oft hilft schon eine kleine Pause oder eine leicht veränderte Herangehensweise.

Wie strukturiert man den Ablauf des Trainings am besten? 

Viele tolle Tricks ergeben sich spontan aus dem, was Deine Katze an unterschiedlichen Verhaltensweisen während des Trainings so anbietet. Wenn Du Deiner Katze aber einen ganz bestimmten Trick beibringen möchtest, solltest Du Dir vorher überlegen, wie genau dieser in Vollendung aussehen soll und welche Teilschritte nötig sind. Hier kann es helfen, Dir einen kleinen Trainingsplan zu erstellen, in welchem Du diese Sachen notierst. Katzen sind jedoch äußerst erfinderisch und finden neue Wege – trotz vorher erstelltem Trainingsplan. Flexibel zu sein, lohnt sich also!

Wie behält man die Konzentration der Katze?

In einer ruhigeren Umgebung ohne störende Einflüsse lässt es sich besser trainieren. Sind mehrere Katzen im Haushalt, übst Du am besten mit einer Katze allein, während die anderen im Nebenraum eine alternative Beschäftigung angeboten bekommen. Wichtig ist, dass Du nur dann trainierst, wenn Deine Katze auch Lust darauf hat, also am besten zu den Zeiten, zu denen sie ohnehin aktiv ist. Katzen können sich auch nur eine begrenzte Zeit konzentrieren, daher sind mehrere kurze Trainingseinheiten sinnvoller als eine lange. Es steigert die Motivation zudem enorm, wenn man als Belohnung etwas verwendet, das für die Katze ein echtes „Schmankerl“ ist, also z.B. besonders feine Snacks.

Worauf sollte man zu Beginn des Trainings besonders achten? 

Grundsätzlich kannst Du mit jeder Katze trainieren – egal ob jung oder alt, ruhig oder energiegeladen. Aber nicht jede Katze kann sich für jede Übung begeistern. Daher solltest Du Dir überlegen, welche Tricks wohl am besten zum Temperament Deiner eigenen Katze passen. Katzen, die sich z.B. gerne bewegen, sind eher für akrobatische Kunststücke zu haben, während ruhigere Katzen vielleicht lieber Tüftelaufgaben lösen.

Wie viel Zeit braucht eine Katze, um den Clicker kennenzulernen? 

Das Clickergeräusch ist für Deinen Liebling zunächst ein neutrales Geräusch, dessen Bedeutung („Das hast du gut gemacht und dafür bekommst du eine Belohnung“) erst einmal lernen muss. Wie lange das dauert, ist durchaus unterschiedlich: manche Katzen haben das bereits nach einem Durchgang durchschaut, andere brauchen eben mehrere Runden. Dass Deine Katze zuverlässig verstanden hat, was der Clicker bedeutet, erkennst Du daran, dass sie sofort erwartungsvoll in Deine Richtung schaut, sobald der Click ertönt.

Wie kann der Einstieg für die Katze erleichtert werden? 

Am besten fängst Du mit einem wirklich ganz einfachen Verhalten an, welches Du mit Deiner Katze einübst. So kannst sowohl Du als auch Deine Fellnase mit dem Clickertraining vertraut werden und habt auch gleich erste Erfolgserlebnisse, die motivieren, um weiterzumachen. Aus einfachen Tricks wie z.B. dem „Nasenstupser“ lassen sich dann mit der Zeit auch anspruchsvollere Kunststücke formen.

Wie funktioniert denn dieser „Nasenstupser?“

Der „Nasenstupser“ ist ein super Einstiegstrick! Zum einen, weil die meisten Katzen dieses Verhalten ohnehin von Natur aus zeigen und zum anderen, weil Du darauf nachher viele andere Tricks aufbauen kannst. Du als Katzenfreund kennst das sicherlich: hältst Du deiner Katze den ausgestreckten Zeigefinger hin, verleitet die Neugier sie dazu, daran zu riechen, also mit der „Nase anzustupsen“. In genau dem Moment erfolgt dann der Click! Mit entsprechenden Wiederholungen lernt Dein Vierbeiner, den Finger mit seiner Nase zu berühren, wenn er ihm entgegengestreckt wird. Evtl. ist hier noch etwas „Feinjustierung“ notwendig, so dass Deine Katze auch wirklich die Fingerspitze berührt und nicht seitlich schnüffelt etc. Klappt das zuverlässig, kann man daraus neue Kunststücke formen, z.B. kann man die Katze mit dem Zeigefinger führen und so von Stuhl zu Stuhl springen lassen oder man hält ihr den Finger senkrecht von oben hin und verleitet sie so stückweise dazu „Männchen“ zu machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, so dass sich für jeden Katzentyp das richtige findet!

Woran kann es liegen, wenn die Katze gar nicht reagiert? 

Das kann mehrere Gründe haben. Gerade am Anfang ist der wahrscheinlichste aber, dass die Katze einfach noch nicht richtig verstanden hat, was der Clicker überhaupt bedeutet. Bevor Du also weiter an Tricks arbeitest, übst Du das noch einmal gezielt mit ihr ein. Ein weiterer Grund kann auch sein, dass die Motivation fehlt. Hier gilt es, eine Belohnung zu finden, für welche Deine Katze gerne mitarbeitet. Bei den meisten Katzen ist Futter (z.B. in Form von kleinen Leckerlies) die beliebteste Belohnung, aber auch Spielzeuge oder Streicheleinheiten eignen sich.